| Ein Abend im Hotel |
| Dienstag, den 10. Januar 2012 um 15:16 Uhr |
|
von Robert Weber
Wenige Augenblicke später betritt eine kleine, aber feine Gesellschaft den Raum. Sie gruppiert sich zunächst um ein Kleinkind, das sich beschwerend durch Schrein bemerkbar macht. Es ist später Abend. Einige der Herren der Gesellschaft bestellen laut Pils. Das klingt dann nicht mehr so fein, so dass auch die schwarzen Anzüge nicht wirklich helfen. Um sich von der schnöden Party-Gemeinde links und rechts ab zu grenzen werden schnell die Türen der Kaminhalle geschlossen. Nur ich passe jetzt irgendwie nicht ins Bild. „Absolutly underdressed" verteidige ich meinen Sessel und halte das historische Geschehen für die Nachwelt fest. Was ein Glück, das niemand der Gesellschaft das ahnt. Ist ja schon blöd genug, dass vergessen wurde, das ganze Hotel anzumieten. So ist es nur schwer möglich mich meines Platzes zu verweisen. Skeptische Blicke wandern herüber, verstohlen, unsicher. Was macht Der da mit seinem kleinen grünen Notizzettel und Stift? Wer ist das? Da bleibt dann nur das Bemühen mich zu ignorieren. Ich schreibe lediglich weiter ruhig vor mich hin. Es gelingt der Gruppe mich zu übersehen, sie wird sicherer und fühlt sich in ihrem Revier wohl. „Sehr gut" schießt es mir durch Kopf und Stift. Ich bleibe chronisch neugierig und schreibe zurückhaltend meine Notizen. Arbeite still in mich hineingrinsend. Eine Weile lang bleibt es unspektakulär. Einfach eine Gruppe Menschen mit ihren flachen Kalauern, Spitzen und guter Laune. Nur noch selten fragende Blicke in meine Richtung. Unsicher? Sie wissen, dass ich sie beobachte und schreibe. Nur was wissen sie nicht. Ich bleibe harmlos und ungefährlich im Raum. Wahre die Etikette des Ortes. Aber, keine Gesellschaft ohne Randgruppe. Ein Paar hat sich auf einen Zweisitzer abgesetzt. Die beiden treten angenehm gemäßigt auf, mit ruhigen Stimmen im Dialog vertieft Ihre kurzen Blicke zu mir herüber sind sicher, kurz und musternd. Die junge Familie mit dem Kleinkind hat das Kaminzimmer mittlerweile verlassen. Die Kleinen erziehen eben doch allzu oft die Großen. Die feine Gesellschaft feiert zum Teil lautstark weiter. Sie amüsiert sich. Aber auch ich trete jetzt ohne Spott ab. Ich gehöre nicht wirklich hierher, und habe auch nicht das Geld länger zu verweilen. Ich überlasse den Saal der Gesellschaft. Kein böses Wort sei geschrieben, aber – es hat mich amüsiert. Podcast: |
Aus den Gängen zu meiner Linken ertönen Partyklänge in die weitläufige Kaminhalle. Diese mischen sich mit Stimmengewirr aus der Bar zur Rechten. Zwei junge Frauen schreiten in Richtung Tanzsaal vorbei. Die Eine im schwarzen Cocktailkleid, die Andere im crèmefarbenen Ballkleid, einer Braut ähnlich.